Der Abendsegen

 


Abends, wenn ich schlafen geh,

 

vierzehn Englein um mich stehn,

 

zwei zu meinem Haupte,

 

zwei zu meinen Füßen,

 

zwei zu meiner rechten,

 

zwei zu meiner linken,

 

zweie die mich decken,

 

zweie die mich wecken,

 

zweie die mich leiten

zum Himmelsparadeise.

 

 

 

Desiderata

 

Gehe deinen Weg ohne Eile und Hast und suche den Frieden in dir selbst zu finden und wenn es dir möglich ist, versuche den anderen zu verstehen. Sag ihm die Wahrheit ruhig und besonnen, und höre ihm zu. Auch wenn er gleichgültig und unwissend ist, denn auch er hat seine Sorgen. Vermeide laute und aggressive Menschen, denn sie lassen dich nicht zur Ruhe kommen. Wenn du dich mit all den anderen vergleichst, wirst du eitel oder bitter werden, denn es wird immer Menschen geben, die größer oder kleiner sind als du selbst. Sei stolz auf deinen Erfolg und denke auch an deine Karriere, aber bleibe bescheiden, denn das Schicksal kann sich jederzeit wenden.

Sei vorsichtig in deinen Geschäften, denn die Welt ist voller List und Tücke, aber lass dich trotz allem nicht von deinem Weg ablenken. Viele Leute reden von hohen Idealen und überall wird Heldenmut angepriesen. Bleibe du selber und heuchle nicht Mitgefühl. Stehe der Liebe nicht zynisch gegenüber, denn sie ist das einzige, was wahr und unvergänglich ist. Sei dankbar für jedes Jahr, das du erleben darfst, auch wenn mit jedem Tag ein Stück deiner Jugend entschwindet. Bereite dich auf den Augenblick vor, in dem etwas unvorhergesehenes in dein Leben tritt, aber zerstöre dich nicht selbst aus Angst vor der Einsamkeit.

Sei immer so, dass du vor dir selber bestehen kannst. Du hast ein Recht, auf der Welt zu sein, genau wie die Blume, die blüht und wie ein Stern in der Nacht. Doch auf dieser Welt lebst du nicht allein. Hast du schon irgendwann mal darüber nachgedacht? Darum schließe Frieden mit Gott, wie und wo immer er dir auch begegnet. Ganz gleich, was das Leben dir auch an Schwierigkeiten auferlegt: die Welt ist immer noch schön. Versuche, auf ihr zu leben und glücklich zu werden.

-Gefunden 1692 in der Saint Pauls Kirche in Baltimore-

 

 

 

 

Trost

 


Ich möchte eine alte Kirche sein 

 

voll Weihrauch, Dunkelheit und Kerzenschein. 

 

Wenn du dann diese trüben Stunden hast, 

 

gehst du herein zu mir mit deiner Last. 

 

Du senkst den Kopf, die große Tür fällt zu. 

 

Nun sind wir ganz alleine, ich und du. 

 

Ich streichle dich mit Dämmerung und Rauch, 

 

ich segne dich mit meiner Ampel auch. 

 

Ich fange mit der Orgel an zu singen ... 

 

Nicht weinen, nicht die Hände heimlich ringen! 

 

Hier hinten, wo die beiden Kerzen sind, 

 

komm, setz dich hin, du liebes Menschenkind! 

 

Glück ... Unglück ... alles ist von Schmerzen schwer. 

 

Sei still, versinke, denk an gar nichts mehr! 

 

In den Gewölben summt's, die Kerzenflammen 

 

schimmern so lautlos hinter dir zusammen. 

 

Vom Orgelfuß die Engel sehn dir zu 

 

und flöten still und lullen dich zur Ruh. 

 

Ich möchte eine alte Kirche sein 

 

voll Weihrauch, Dunkelheit und Kerzenschein. 

 

Wenn du dann diese trüben Stunden hast, 

 

gehst du herein zu mir mit deiner Last.


 

(Manfred Hausmann 1898 - 1986)

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                                   

 

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